Zu den Craniosacralen Wurzeln:


Einer der mit wichtigsten Personen für die Entstehung war Dr. Andrew Taylor Still (1828 - 1917), seine Ansicht :

1) Die Betrachtung des Körpers als eine zusammenhängende Einheit
2) Die innewohnende Tendenz des Körpers sich selbst zu regulieren
3) Struktur und Funktion stehen in enger wechselseitiger Bedeutung

Der Körper trägt in sich die Weisheit und Fähigkeit, sich selbst zu heilen, und tut dies auch von selbst. Ist er aus irgendeinem Grund dazu nicht in der Lage, gilt es als unsere Aufgabe als Therapeuten, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Körper sich wieder selbst
regulieren und heilen kann.
Durch genaues Betrachten der Struktur bekommen wir Hinweise auf die Funktion. Durch die Arbeit an der Struktur können wir auf die Funktion des Körpers Einfluss nehmen. Hier setzte Dr. Still zunächst an den Knochen und ihren Gelenken an. So entstand der Name 
Osteopathie  (Knochenleiden). 
Die Osteopathie beschäftigt sich jedoch keineswegs ausschließlich mit den Knochen, sondern bezieht alle Gewebearten mit ein. Neben diesen klassischen drei Grundprinzipien entwickelte Still weitere wichtige Prinzipien:

1) Die Wichtigkeit, bei körperlichen Befunden Ursache und Wirkung zu 
identifizieren und Ursache zu behandeln. Dabei gilt es, stets auf die Gesundheit ausgerichtet zu sein.
2) Die Bedeutung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit und der 
vom Gehirn ausgehenden  Kraft für die Gesundheit.
3) Die Bedeutung der Nerven- und Blutversorgung sowie 
Lymphbahnen für die Gesundheit.
4) Die Bedeutung der Faszien und des muskuloskelettalen Systems in 
ihren Auswirkungen auf die Nerven- und Blutversorgung.

Geprägt wurden seine Ansichten von den Lehren von Emmanuel Swedenborg (1688 -1772), dem Spiritismus, der Evolutionstheorie nach Alfred Russel Wallace (1823- 1913) und die schamanistisch geprägte Weltsicht der Shawnee-Indianer.
Die nächste prägende Person bei der Entstehung der Craniocacralen Arbeit war 
Dr. William Garner Sutherland (1873 - 1954).

Auszug aus “Craniosacrale Heilkunst“ von Ramraj Ulrich Löwe:

Sutherland hatte in seiner Jugend ein einschneidendes Erlebnis: Er wuchs im ländlichen Raum im mittleren Westen der USA auf. Sein Vater war Hufschmied und betrieb Landwirtschaft. Eines Tages bat er seinen Bruder und ihn, Kartoffeln auf dem Feld zu ernten. Nach einer 
Weile kamen die beiden Jungen mit Kartoffelsäckchen zurück. Der Vater lobte sie: “Sehr gut, meine Jungs. Jetzt geht noch einmal zurück aufs Feld und grabt ein bisschen tiefer. Da sind bestimmt noch mehr Kartoffeln.” Und richtig, als sie wieder aufs Feld gingen und weiter 
gruben, fanden sie mehr Kartoffeln. Und nachdem sie diese freudestrahlend zum Vater gebracht hatten, lobte er sie wieder und schickte sie erneut hinaus zum Weitergraben. Und so ging es noch mehrere Male. Jedes Mal fanden die beiden Knaben noch mehr Kartoffeln. 
Dieses kleine Ereignis war für William Sutherland von bleibender Bedeutung und immer tiefer und tiefer zu graben, wurde ein Motto für ihn und seine Arbeit.

Er kam als junger Mann mit der Osteopathie in Berührung und begann sein Studium der Osteopathie an dem damals einzigen Osteopathie-College in Kirksville, Missouri, an dem auch der Begründer der Osteopathie, Dr. Andrew Taylor Still lehrte. 

Sutherland betrachtete eines Tages einen in einer Vitrine ausgestellten Schädel, in dem die einzelnen Schädelknochen in einem gewissen Abstand zueinander montiert waren, so das die einzelnen, verschieden geformten Nähte gut erkennbar waren. Sein Blick fiel auf die 
wechselnden Richtungen abgeschrägte Naht zwischen dem großen Keilbeinflügel und der Schläfenbeinschuppe. Es durchfuhr ihn ein Gedanke wie ein Blitz: “Abgeschrägt wie die Kiemen eines Fisches, was auf gelenkartige Beweglichkeit hinweist für einen primär Respiratiorischen Mechanismus. ”Der Gedanke, dass zwischen den Schädelknochen gelenkartige Bewegung möglich war, ließ ihm keine Ruhe, da in seinem College gelehrt wurde, dass sich Schädelknochen ab einem gewissen Alter starr knöchern miteinander verbinden. 
Er forschte an “echten” Schädeln bis ins kleinste Detail und je länger er forschte, desto zwingender deutete alles auf bestimmte Bewegungen der einzelnen Schädelknochen hin, die auch noch wie ein Schweizer Uhrwerk auf wundersame Weise ineinander passen wie ein 
Puzzle.
Es war noch nicht an der Zeit wie sich herausstellen würde, er wurde belächelt, Vorträge unterbunden, fehlte doch der wissenschaftliche Beweis für Sutherlands Thesen. 

Hier kommen wir nun zum dritten im Bunde: Dr. John Upledger (1932 - 2012):

Ihm ist es zu verdanken, dass die Craniosacrale Arbeit heute so bekannt und beliebt ist. Er stellte Sutherlands Konzepte/Arbeit auf eine rein naturwissenschaftliche Grundlage. Für das Zustandekommen des craniosacralen Rhythmus (dem primär respiratorischen Mechanismus) 
stellte er das sogenannte “Druckausgleichsmodel” vor, was jedoch heute als sehr unwahrscheinlich betrachtet werden muss.
Von 1975 bis 1980 haben Dr. Upledger und sein multidisziplinäres Forscherteam an der Universität von East Lansing, Michigan, unter anderem die Bewegungen an den Schädelnähten mit Laser ausgemessen und bewiesen.
Außerdem konnten sie an zahlreichen frischen Gewebeproben nachweisen, dass sich in den Nähten feinste Blutgefäße, Nervenfasern, sowie elastische und kollagene Bindegewebsfasern 
befinden. Somit sind alle Voraussetzungen für suturale Bewegungen gegeben.
Dr. Upledger vereinfachte und verfeinerte mit der Zeit Behandlungstechniken der craniosacralen Osteopathie und entwickelte neue. Mit der von ihm begründeten “Somato Emotional Release“ - Arbeit war er auch der erste, der prozessbegleitende emotionale Arbeit als logische Fortführung in die Craniosacral-Therapie mit einbezog.

Das primär Respiratorische System:

Sutherlands Erfahrungen und Beobachtungen führten ihn letztlich zum Konzept des Primär Respiratorischen Mechanismus. Dieser Ausdruck impliziert, dass der Rhythmus, der sich z.B. in den Bewegungen der Schädelknochen manifestiert, gegenüber den anderen Rhythmen im 
Körper wie Atem und Herzschlag, primär, d.h. übergeordnet ist. Dieser Rhythmus ist heute als “Craniosacraler Rhythmus” bekannt und wurde von Sutherland auch als “Atem des Lebens“, die göttliche Kraft selbst genannt. Als anatomisch-physiologisches Argument dafür, dass dieser 
Rhythmus den anderen Körperrhythmen übergeordnet ist, führte er an, dass sich die Steuerungszentren für Atem und Herzschlag in der Medulla oblongata (verlängertes Mark) am Boden des vierten Ventrikels befinden. Demnach werden sie durch die Flüssigkeitsdynamik des Primär Respiratorischen Systems beeinflusst.

Nach Sutherland besteht der Primär Respiratorische Mechanismus aus 5 Elementen:

1) Die inhärente Fluktuation der Gehirn und Rückenmarksflüssigkeit.
2) Die Motilität des zentralen Nervensystems.
3) Das reziproke Spannungsmembransystem der Dura Mater.
4) Die gelenkige Beweglichkeit der Schädelknochen.
5) Die unwillkürliche Beweglichkeit des Kreuzbeins zwischen den Ilien.
Auszug Ende "Craniosacrale Heilkunst“ von Ramraj Ulrich Löwe 

Aus diesen Zeilen zu der Entstehung der Craniosacral-Therapie ist ersichtlich, wie viele Faktoren von verschiedenen Ärzten, Mut, Ideen, Forscherdrang dazu beigetragen haben, dass wir die Craniosacrale Arbeit, wie wir sie heute anwenden, ausführen können.


Unsere Arbeit ist unsere Leidenschaft und ein positiver Antrieb für jeden neuen Tag. Sie bringt uns dazu, Herausforderung als Chance zu verstehen und neue Ziele zu erreichen.